2 Dezember 2019

Wir fordern eine würdige Aufnahme für die Überlebenden der häufigen Schiffbrüche

Pressemitteilung – Einige Wochen nach dem schrecklichen Schiffbruch vom 7. Oktober wird Lampedusa erneut zum Schauplatz von Tod und Gewalt: am 23. November ist ein aus Libyen kommender Kahn vor dem Strand der Isola dei Conigli untergegangen und hat so den Tod von mindestens 8 Migrant*innen verursacht. Es gibt 149 Überlebende und weitere 10 Vermisste, von denen es bisher noch keine Spur gibt.

Das Tor nach Europa, auf Lampedusa – Foto von Silvia Di Meo

Die Lebensbedingungen der Überlebenden dieser Tragödie ist dramatisch: mehr als 100 Personen – Männer, Frauen und Kinder – sind seit einer Woche in dem Hotspot der Insel Lampedusa, dem Europäischen Zentrum zur Identifizierung und Kontrolle von Migrant*innen untergebracht, dessen Kapazität bei unter 100 Personen liegt und nun aufgrund von Ankünften aus vorherigen und nachfolgenden Rettungen fast um ein dreifaches überschritten wird.

Wir wissen, dass die Überlebenden des Unglücks alle zusammen auf engem Raum auf Matratzen auf dem Boden schlafen, ohne eine Unterscheidung von Alter oder Geschlecht. Das Essen ist dürftig und auch der Zugang zu Hygienevorrichtungen ist ungeeignet und unzureichend. Mitten in dieser Situation leben Minderjährige und Kleinkinder, von denen einige ihre Eltern bei dem Schiffbruch verloren haben.

Unter den Überlebenden befindet sich ein Junge aus Eritrea. Er ist blind, nachdem er vier Monate in Libyen in Gefangenschaft verbracht und während dieser Zeit kein Sonnenlicht gesehen hat. Hinzu kommen noch viele Personen, die sich in sehr schlechtem psychologischen Zustand befinden, da sie Monate in den libyschen Gefängnissen verbracht und dort alle möglichen Arten von Gewalt gesehen und erlebt haben. Der Aufenthalt auf undefinierte Zeit unter dürftigen Bedingungen trifft sie deshalb noch härter.

Ein weiteres Mal hören wir also Personen zu, die nachdem sie die aufreibende Reise aus ihren Herkunftsländern angetreten haben, die libysche Hölle durchquert und auf dem Mittelmeer dem Tod ins Gesicht gesehen haben, nun die Gewalt im Hotspot überleben müssen, wo sie unter beschämenden Bedingungen allein gelassen werden.

Aus diesen Gründen fordern wir mit lauter Stimme, dass der Wiederholung traumatischer und gewalttätiger Geschehnisse gegenüber den Migrant*innen, welche der Grenzpolitik im Mittelmeer die Stirn bieten, ein Ende gesetzt wird.

Die Anerkennung der Menschenwürde hört nicht bei der Rettung auf dem Meer auf: die Aufmerksamkeit muss auch auf die Behandlung gelenkt werden, die den Migrant*innen zuteilwird, nachdem sie Land im „zivilisierten“ Europa betreten haben.

Wir fordern, dass die Überlebenden umgehend aus der Grenzgegend an einen der Aufnahme angemessenen Ort verlegt werden, wo ihnen grundlegende Bedürfnisse zugestanden werden und sie die Möglichkeit haben, in Freiheit ihre Rechte auszuleben. Dazu gehört auch das Recht, internationalen Schutz zu beantragen. Denn momentan können wir keine wesentliche Abweichung von der Abschiebungspolitik der vorhergehenden Regierung feststellen und die „Sicherheits-“Dekrete haben tödliche Folgen auf das Leben der Migrant*innen.

Wir werden nicht zulassen, dass die Küste und das Land von Lampedusa und Sizilien zu Orten von Tod und Haft werden, wo Europa ungestraft Gewalt an Migrant*innen ausüben kann.

Campagna LasciateCIEntrare
Borderline Sicilia
Rete Antirazzista Catanese

Aus dem Italienischen übersetzt von Moira-Lou Kröll

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