25 April 2015

Pozzallo, „Wir wurden mit Strom geschlagen“, klagen die seit 4 Tagen in der Erstaufnahmeeinrichtung untergebrachten Migranten

meridionews.it – Die
in der Erstaufnahmeeinrichtung bei Ragusa untergebrachten 113 Personen sind
hauptsächlich Syrer und Palästinenser. Sie verweigern die Feststellung ihrer
Identität, weil sie weiterreisen möchten. In den letzten Stunden soll die
Polizei auch Gewalt angewendet haben. Der Aktivistin Nawal Soufi ist es
gelungen, ins Zentrum reinzukommen und das Geschrei von Frauen und Kindern zu
hören. Schreie, Stimmen von Frauen, Kindern und Mädchen.

„Sie schlagen uns mit
Strom.“ Dies ist die schockierende Anklage aus der Erstaufnahmeeinrichtung
Pozzallo. Die Gesichter sieht man nicht, sie sind in einem Käfig aus Sperrholz-Platten
versteckt. Nawal Soufi, eine marokkanische Aktivistin, die sich seit Jahren für
die Aufnahme von Migranten, vor allem Syrern und Palästinensern, in Catania und
im Südosten Siziliens einsetzt, hat die Verzweiflung, die bei den zur Zeit in
der Erstaufnahmeeinrichtung untergebrachten Personen herrscht, aufgenommen. Für
ihre Tätigkeit hat sie den Preis „Donna di frontiera“ (Grenzfrau) erhalten.
In der Erstaufnahmeeinrichtung sind seit vier Tagen 113 Migranten untergebracht,
die auf einer Yacht mit türkischer Flagge, die sie im Mittelmeer gerettet hat,
in der Stadt in der Nähe von Ragusa angekommen sind. Die meisten von ihnen sind
Syrer und Palästinenser und sie weigern sich, ihre Fingerabdrücke zur
Identitätsfeststellung abzugeben. Denn sie möchten weiter Richtung Nordeuropa
reisen und dort politisches Asyl beantragen. Sollte ihre Identität in Italien
festgestellt werden, wäre dieser Traum zunichte gemacht. Denn die
Rechtsvorschriften schreiben vor, dass der Schutz in dem Land beantragt werden
muss, das als erstes betreten wird. In den letzten Tagen versucht die Polizei
jedoch anscheinend, die Fingerabdrücke gewaltsam zu nehmen.
Aus diesem Grund ist Nawal Soufi heute nach Pozzallo gekommen. Es ist ihr
gelungen, in die Erstaufnahmeeinrichtung zu gelangen und ein kurzes Video zu
drehen. „Sie haben gesagt: Sie haben uns mit Strom geknüppelt“, übersetzt die
Aktivistin und fügt hinzu: „Jetzt kommt man nur mit einem Parlamentarier in die
Erstaufnahmeeinrichtung in Pozzallo hinein.“
Laut den aufgenommenen Zeugenaussagen soll gestern ein Migrant geschlagen
worden sein. Die Aktivistin hat daraufhin die Polizei aufgefordert, die Gewalt
einzustellen, sonst würde sie sich damit an die Presse wenden. Vor der
Einrichtung war nämlich ein Team des Fernsehsenders Al Jazeera. „Nach dem
Chaos, das durch das Eindringen von neuen Migranten ins Zentrum enstanden ist“,
berichtet Chiara Avesani, eine Journalistin aus Turin, die die amerikanischen
Kollegen vom Sender aus Qatar begleitete, „haben wir gesehen, dass man etwa
zwanzig Migranten hat gehen lassen. Bevor sie mit dem Taxi weggefahren sind,
haben sie uns erzählt, dass sie geschlagen wurden. Einer von ihnen hat uns eine
Verbrennung am Rücken gezeigt, die frisch aussah, und uns gesagt, dass sie ihm
in der Erstaufnahmeeinrichtung zugefügt wurde.“ Diejenigen, die entkommen
konnten, haben uns einen Flyer gezeigt, auf dem in verschiedenen Sprachen,
unter anderem auf arabisch, erklärt wird, dass die Polizei berechtigt ist, die
Fingerabdrücke zu nehmen, auch mit Gewalt.
Aus Protest seien die Migranten in den Hungerstreik gegangen und hätten gestern
das Abendessen und heute das Frühstück verweigert. Der Leiter der
Erstaufnahmeeinrichtung, Angelo Zaccaria, hingegen hat uns hingegen versichert,
dass alle untergebrachten Personen ihr Mittagessen zu sich genommen hätten.

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