16 Dezember 2019

Nach der Schiffskatastrophe vom 7. Oktober 2019 vor Lampedusa: ein erster Schritt um Wahrheit und Gerechtigkeit zu erlangen

Pressemitteilung – Am 13. Dezember 2019 hatten die von uns in der Suche ihrer vermissten Söhne unterstützten Mütter aus Tunesien bei der Staatsanwaltschaft in Agrigent ihren Gerichtstermin. Staatsanwalt Dottore Vella hatte sie zur Anhörung und zur Identifizierung ihrer Familienmitglieder eingeladen.

In dieser Anhörung am Gerichtshof von Agrigent wurde die Identität der Söhne zweier Mütter, von Zakia und Soulaf, bestätigt, deren Leichname für eine würdiges Begräbnis nun nach Tunesien überführt werden können . Die beiden anderen Mütter Hamida und Gamra mussten schmerzlich erfahren, dass die Leichname ihrer Söhne nicht geborgen werden konnten.

Dieser Tag war der letzte Schritt eines zweimonatigen Prozesses für die Mütter und die Aktivist*Innen, die sie unterstützten: es war eine langwierige, schmerzvolle Suche, die unmittelbar nach dem Schiffbruch anfing und sowohl Nachforschungen beim Italienischen Roten Kreuz und der italienischen Botschaft in Tunesien, sowie das Verfassen von Pressemitteilungen und Kontaktaufnahmen mit den zuständigen Institutionen erfordert hat. Jedoch nicht immer mit zufriedenstellenden Ergebnissen.

So wurde am 13. Dezember am Gericht von Agrigent ein äußerst bedeutungsvolles Urteil gefällt – die Anerkennung und Wiederherstellung von Gerechtigkeit.
Möglich gemacht wurde das nur durch die exemplarische, unermüdliche Zusammenarbeit zur Überwindung von bürokratischen und institutionellen Hindernissen von Terre pour Tous von Imed Soltani in Tunesien mit den italienischen Organisationen Campagna LasciateCIEntrare, Borderline Sicilia, Rete Antirassista Catanese und Carovane Migranti.

Von grundlegender Bedeutung waren die juristische Beweisführung von Anwalt Leonardo Marino, Vertreter der vier Frauen, der die Identifizierung durch die DNAAnalysen veranlassen konnte sowie auch die Professionalität und Bereitschaft des stellvertretenden Staatsanwalts von Agrigento Dottore Vella.

Zum ersten Mal wurden Familienangehörige zur Identifizierung von Leichnamen einberufen. Wir wünschen uns, dass aufgrund dieses Resultates die fruchtbare Zusammenarbeit der Institutionen fortschreiten möge, um die Rechte von Migrant*innen und deren Angehörigen zu wahren.

 

Associazione Terre pour Tous

Borderline Sicilia

Campagna LasciateCIEntrare

Carovane Migranti

Rete Antirazzista Catanese

 

Übersetzung aus dem Italienischen von Susanne Privitera

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