5 Februar 2017

Messina: Zeltstadt am PalaNebiolo endlich abgebaut. Dreieinhalb Jahre beherbergte man hier Asylsuchende unter erniedrigenden Bedingungen

Quelle: stampalibera.it

Dreieinhalb Jahre nach seiner Umwandlung zum Zentrum der schlechten Aufnahme für Asylsuchende aus Ländern, die von Krieg, Notständen und Umweltverbrechen gezeichnet sind, findet das am nördlichen Stadtrand, in der sogenannten Conca d’Oro dell‘Annunziata gelegene Sportzentrum PalaNebiolo der Universität Messina nun vielleicht wieder zu seiner ursprünglichen Bestimmung zurück: ein Spielfeld für Baseballkurse am Fuße des Peloritanischen Gebirges.

Gestern wurden die Abbauarbeiten der großen Zeltstadt endlich abgeschlossen. Tausende Geflüchtete aus Afrika, Asien und dem Mittleren Osten waren hier unter unmenschlichen Bedingungen untergebracht worden, darunter viele unbegleitete Minderjährige und junge Frauen, die Opfer von Gewalt und Menschenhandel geworden waren.

Die Bezirksregierung Messina selbst hatte die Anlage bereits im Herbst 2016 für untauglich erklärt, doch erst am 30. Dezember letzten Jahres wurden die Tore geschlossen und ihre „Gäste“ in andere Erstaufnahmezentren in Italien oder ins nahegelegene „Zwillingszentrum“ in der Ex-Kaserne „Gasparro“ in Bisconte transferiert. Das Kapitel PalaNebiolo ist nun Geschichte, es bleibt nun die weitere Bestimmung des Lagers in Bisconte zu klären. Hier hat man rund 200 ausländische Bürger*innen in lediglich drei Sälen zusammengepfercht (bis vor einigen Tagen vor allem unbegleitete minderjährige Geflüchtete – in nahezu vollständiger Isolation von der Außenwelt, aber ohne hinreichende Trennung von den Erwachsenen).

Den Plänen der italienischen Regierung und der Europäischen Agentur für die Grenz- und Küstenwache Frontex zufolge wird die Ex-Kaserne in Bisconte demnächst zum Hub / Hotspot umgewandelt, in dem Erstaufnahme, Identifizierung, Ausweisung und Abschiebung der Migrant*innen abgewickelt werden. Dafür sollen eine neue große Zeltstadt und weitere Container mit Sanitär- und Versorgungsanlagen errichtet werden, die bis zu tausend Personen auf einmal aufnehmen können. Ein hanebüchenes Projekt, gegen das sich bis dato nur vereinzelte Stimmen aus den Medien oder einigen wenigen Menschenrechtsorganisationen erhoben haben, während die lokalen Verwaltungen sowie die politischen, sozialen und gewerkschaftlichen Akteur*innen sich weiterhin durch ihr skandalöses Schweigen in Mittäterschaft begeben.

Antonio Mazzeo

Aus dem Italienischen übersetzt von Laura Strack

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