21 Juli 2014

Im Mittelmeer treiben Leichen an der Oberfläche. Jetzt stehen wir vor einem ständigen Blutbad und die Regierungen öffnen immer noch keine Korridore für einen geschützten Zugang

Aus Diritti e frontiere

Nach den Leichen vor der Küste Libyens gibt das Meer nun arme menschliche Überreste zurück, welche an den Stränden vom Golf von Gabés in Tunesien, nahe der libyschen Grenze angeschwemmt werden. Überreste, die wahrscheinlich von den Meeresströmen und dem Wind dorthin bewegt werden, welcher zu dieser Jahreszeit hauptsächlich aus dem Osten Richtung Westen bläst. Wer solche Bilder nicht sehen möchte, der kann mich also gleich löschen oder irgendwo anders surfen.

http://www.tunisienumerique.com/tunisie-gabes-la-mer-rejette-les-cadavres-de-trois-africains/230219

Genau das ist ein Produkt, der in Brüssel und Rom (nicht) beschlossenen Politik und der administrativen Gepflogenheit, welche den Kampf gegen die als „illegal“ bezeichnete Immigration dem Schutz von sich im Meer befindenden menschlichen Leben vorzieht. Und jetzt sind jene Konflikte bezüglich der Zuständigkeiten zwischen den Ländern neu entbrannt, die für die Rettungsaktionen in den SAR Zonen, in welche das Mittelmeer eingeteilt ist, verantwortlich sind. In diesen Stunden droht ein weiteres Boot in den internationalen Gewässern zwischen Libyen und Griechenland zu sinken und mit ihm auch die darauf reisenden Männer, Frauen und Kinder. Ich denke, dass jedem klar gemacht werden sollte, was eine verspätete Rettungsaktion für Auswirkungen hat. Das Meer schluckt Menschenleben nicht nur, manchmal gibt es die Überreste davon wieder zurück, wie die, welche sich in den Netzen der Fischer verfangen und von letzteren aus Verzweiflung ins Meer zurückgeworfen werden, nicht nur um sich nach der Meldung des Fundes bei den Seefahrtbehörden nicht in bürokratischen Verfahren zu verstricken. Es handelt sich um sehr häufige Funde, allerdings spricht niemand davon.

Auch gestern Abend hat in der Straße von Sizilien wieder ein Schiffsbruch stattgefunden. Dutzende Körper sind im Meer versunken. Als erstes hat diesmal der unter bermudischer Flagge fahrende Öltanker GENMAR COMPATRIOT reagiert, am 20. Juli gegen 19 Uhr, 70 Meilen nord-nord-östlich von Tripolis und 40 Meilen östlich von den Bouri Fiel Plattformen, also ungefähr 100 Meilen südlich von Lampedusa. Danach haben auch das Patrouilleboot CP 905 Peluso der italienischen Küstenwache, sowie ein aus Lampedusa gestarteter Hubschrauber und die Schiffe Zeffiro und Urania der Mare Nostrum Mission eingegriffen. Die Urania ist vor Ort geblieben und die Suche nach der Vermissten wird zur Zeit noch fortgeführt.

http://www.gds.it/gds/sezioni/cronache/dettaglio/articolo/gdsid/361774/

http://www.marinetraffic.com/it/ais/details/ships/310427000/vessel:GENMAR_COMPATRIOThttp://www.marinetraffic.com/it/ais/details/ships/247084900/vessel:CP_905http://www.lastampa.it/2014/07/18/italia/cronache/migranti-si-teme-un-nuovo-naufragio-in-salvati-dalla-guardia-costiera-ma-a-bordo-eravamo-pi-del-doppio-OeJWRdmlsioRFNhDtGNMyO/pagina.html

Unterdessen gibt es noch keine Spuren von dem Boot, welches am 15. Juli direkt aus Alexandria abgelegt hat. Wahrscheinlich war es voll mit syrischen Flüchtlingen, Männern, Frauen und Kindern, denen nun auch Ägypten unter der Führung von Al Sisi den Krieg erklärt hat. In den letzten Wochen hat die ägyptische Polizei das Feuer mehrmals gegen Migranten eröffnet, die versuchten nach Europa zu gelangen.

Die letzte bekannte Position, die von Migranten an Bord dieses Bootes in den ersten Morgenstunden vom 21. Juli mitgeteilt wurde, war 120 Meilen nördlich von Bengasi, wirklich auf sehr hoher See, noch 200 Meilen von Malta entfernt, also bei funktionierendem Motor noch ungefähr zwei Reisetage bis zum Erreichen der italienischen Gewässer. In diesen Fällen könnte man viel schneller Hilfe aus Griechenland schicken, aber die griechische Regierung lässt Menschen auch wenige hundert Meter vor der an die Türkei grenzenden Küsten entfernt ertrinken und Frontex hilft in Griechenland einzig bei Ausweisungen und Abschiebungen. Dies ist der Grund weshalb man Frontex unverzüglich demobilisieren sollte, um dafür eine große, von der Europäischen Union koordinierte Hilfsmission aufzustellen. Mancher wird sagen, dass das ein Utopie ist, ich sage jedoch, alles andere ist Mord in Mittäterschaft.

Fulvio Vassallo Paleologo

Aus dem Italienischen von Linde Nadiani

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