12 Oktober 2019

Die unerträgliche Bürde der Gleichgültigkeit

Inmitten des ohrenbetäubenden Schweigens über das letzte Massaker im Meer veröffentlichen wir die Geschichte von Angelo Piraneo, der gestern gemeinsam mit weiteren Personen in der Gemeinde Porto Empedocle das Schiff erwartete, das die Särge mit den beim letzten Schiffbruch tödlich Verunglückten transportierte.

Foto von Angelo Piraneo

„Um 12:30 Uhr legt das Schiff Pietro Novelli am Hafen von Porto Empedocle an. Im Frachtraum steht ein Lastkraftwagen mit Kühllager, beladen mit den erloschenen Leben von Migrant*innen, die vor einigen Tagen im Meer von Lampedusa ertrunken sind. Es waren dreizehn Frauen und ein zehnjähriges Mädchen, die dem Hunger und dem Krieg entfliehen wollten, die sich in Sicherheit bringen wollten. Aber das Meer hat sie im Stich gelassen, und die Institutionen genauso, auch die Europäische Union. Wir sind in etwa fünfzig Personen, darunter Militär- und Zivilbehörden (der Präfekt und die Bürgermeister von Agrigento und Porto Empedocle), Priester und Vorstände von Kirchengemeinden, Mitglieder von säkularen und religiösen Vereinen und Akteur*innen der Zivilgesellschaft.“

„Wir beobachten, wie der Lastkraftwagen vom Schiff fährt und neben uns anhält; die Türen öffnen sich, und das Erste was uns entgegenkommt ist der Leichengeruch aus dem Inneren des Wagens, wo sich die Särge befinden. Dann werden sie herausgetragen und auf dem Boden abgestellt. Ein christliches Gebet wird aufgesagt, und mitleidsvolle Hände legen auf den Tragen Blumen ab. Agrigento, Favara und Campobello di Licata sind die Orte, an denen die Leichname beigesetzt werden.“

Foto von Angelo Piraneo

Wir möchten denjenigen Personen danken, die sich nicht mit dieser tödlichen Politik abfinden wollen, dieser unmenschlichen Politik, die Massaker und Kriege in Auftrag gibt, die die Grenzen zum Töten missbraucht.

Wir möchten euch die Bilder zeigen, genauso wie wir euch auch den Leichengeruch zeigen wollen würden, der in die Häuser eindringt, um der Trägheit in der wir versunken sind ein Ende zu setzen. Der Trägheit, die uns zu Mittätern und zu unmittelbar Verantwortlichen für all das macht.

Alberto Biondo
Borderline Sicilia

Übersetzung von Franziska Lorusso

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