12 Januar 2014

Die Eritreer des 3. Oktober werden nach 101 Tagen von Lampedusa verlegt

101 Tage sind seit dem Unglück vom 3.Oktober vergangen, bei dem 366 Menschen ihr Leben verloren haben. Erst heute werden sieben Eritreer, sechs Männer und eine Frau, die sich immer noch aus angeblich jurstischen Motiven (so die Erklärungen des Innenministers Alfano) auf der Insel befinden, aus dem CSPA (Zenturm zur Ersten Hilfe und Aufnahme) verlegt. 101 Tage hat es gedauert, um sie nach Palermo zu bringen, wo sie morgen vor Gericht angehört werden. Auf der Insel verbleiben sechs Syrer, auch sie aus „juritischen Gründen“, auch sie seit Monaten, seit dem 14. Otkober, hier. Laut des Vizebürgermeisters sollen sie am 15. Januar verlegt werden.

Um 9:30 Uhr begeben wir uns zum Hafen, die Fähre ist schon eingelaufen und die anwesende Poilzei bestätigt unsere Vermutung, dass die Migranten wirklich heute mir dem Schiff verlegt werden. Die sieben Eritreer erreichen den Hafen, es sind mehr Ordnungskräfte an der Mole als sie selbst zählen. Berührende Szenen spielen sich zwischen einigen Lampedusanern, die zur Mole gekommen sind und die Flüchtlinge verabschieden wollen, und diesen ab. Wir fragen den Mitarbeiter von Save the Children, ob die einzige Frau denn wenigsten von einer Frau auf dieser langen Reise nach Palermo, 10 Stunden mit dem Schiff und weitere zweieinhalb mit der Bus, begleitet wird. Soweit er weiß fährt eine Polizistin von den Carabinieri mit, aber wir haben keine weiblichen Ordnungskräfte am Hafen gesehen. Wir stellen die Frage auch an das Rote Kreuz, das derzeit das Zentrum leitet. Eine Gruppe von Psychologen etc. werde bei der Ankunt in Palermo zur Verfügung der Eritreer, denen es schlecht gehestehen, antworten sie. Im Moment des Abschieds kann man auf den Gesichtern der Eritreer nicht lesen, was sie alles ertragen mussten. Einige von ihnen sind sehr ruhig, sie umarmen die einzigen Menschen, die ihnen in all dieser schrecklichen Zeit nahe gestanden haben, fest. „Jetzt werden sie sich erneut verlassen fühlen“, sagt die Mitarbeiterin des Roten Kreuzes, „sie wissen nicht, was ihnen die Zukunft bringt und sie haben wirklich viel Schlimmes erlebt.“
Sicher hat sie recht, und gerade daher wiederholten wir: warum mussten diese Menschen mehr als drei Monate auf Lampedusa verharren, statt in einem menschenwürdigen und ruhigen Ort, an dem sie die richtige, nötige Unterstützung, vor allem psychologischer Art, erhalten hätten? Die italienische Regierung hat sie dort in einer absoluten Unsicherheit gehalten. Nun müssen sie sich neu orientieren, und das nach all dem Schreckliche, das sie erlebt haben.

Wir stehen mit einigen von ihnen im Kontakt und werden weiter beobachten, was geschieht. Niemand, weder die Bürgermeisterin, noch die Migranten selber, nicht die Mitarbeiter der vor Ort ansässigen Organisationen noch die Behörden können oder wollen darüber Auskunft geben, wohin sie nach der Anhörung in Palermo gebracht werden. Das ist also die viel gerühmt Trasparenz der Behörden… Hoffen wir, dass es eine Zukunft für diese Menschen gibt.

Nachdem wir einen Blick auf das Lager in der Contrada Imbriacola von oben geworfen haben können wir uns vorstellen, wie sich die letzten „Bewohner“, fühlen: die Syrer, die noch auf ihre Verlegung warten. In einer Leere, in der schon die Sanierungsarbeiten begonnen haben.
Sie sind nun schon gut 90 Tage hier. Es reicht. Verlegt sie!

Judith Gleitze aus Lampedusa
Borderline Sicilia/borderline-europe

Am Hafen von Lampedusa, 12. Januar 2014

 

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