18 Juli 2019

Alle verschieden. Alle gleich. Aufruf für die antirassistische Demonstration in Agrigento

Lasst uns die Türen öffnen. Lasst uns den Rassismus abwehren!

Für ein offenes und solidarisches Sizilien. Kein Mensch ist illegal!

Sizilien ist seit Jahrzehnten die südliche Grenze der Festung Europa. Mit den Aufnahme- und Haftzentren und die Rückführungen aus dem Meer in libysche Lager wird die Insel zu einem Versuchslabor der Rassenpolitik für Migrant*innen. Seit Jahren gehen von Sizilien und der europäischen Grenzwache Frontex beschämende Kampagnen aus, die humanitäre NGOs kriminalisieren und ihre Schiffe beschlagnahmen (wie die Iuventa, Sea Watch, Mediterranea, …) und zur Unterbrechung ihrer wertvollen Hilfsaktionen von Frauen, Männern und Kindern führt, die vor dem Schiffsbruch gerettet werden. Um keine der schlimmsten globalen Ungerechtigkeiten auszulassen, wird unsere Insel immer mehr militarisiert: der Militärflughafen Sigonella, die Satelliten-Bodenstation der MUOS, Drohnen, der Hafen von Augusta, in den atomgetriebene Schiffe einlaufen, und die Waffendepots, all dies hat sie in ein Kriegsarsenal unter freiem Himmel verwandelt.

Mit den Sicherheitsdekreten zerschlägt die Regierung der „Veränderung“ nachweislich den Großteil des Aufnahmesystems für Asylsuchende. ‚Good practices’ in der Aufnahme sind inzwischen eine Seltenheit geworden, und die wenigen Ausnahmen, wie beispielsweise Riace, werden immer öfter kriminalisiert. So werden um die 50.000 Migrant*innen dazu gezwungen, die Schlange der Menschen ohne festen Wohnsitz zu verlängern. Sie werden in Ausbeutungsverhältnisse in der süditalienischen Agrar- und Ernährungswirtschaft mittels Vorarbeiter*innen gezwungen, oder zur Hilfsarbeit der lokalen Kriminalität angeworben.

Gegen die Propaganda Salvinis, die Italiener*innen gegen die Migrant*innen aufhetzt, lernen wir zu sagen: „Zuerst die Ausgebeuteten und in Armut lebenden“. Ganz im Sinne des Mottos „Zuerst die Italiener*innen“, sind circa 15.000 Arbeiter*innen dazu bestimmt ihre Arbeit zu verlieren, alles dank der Politik der Grenzschließungen. Jedes Jahr werden ungefähr 25 Milliarden Euro für das Militär verprasst. Ein Meer an Geld das den sozialen Ausgaben entzogen wird: Gesundheit, Schule, Arbeit. Würde das Geld richtig genutzt, wären Würde und Rechte für alle garantiert. Mehr als 4 Millionen Italiener*innen siedeln sich im Ausland an (600.000 Sizilianer*innen); die Fremden in unserem Land (aus der EU und darüber hinaus) stellen hingegen nur weniger als 8% der Bevölkerung dar. Zu denken, dass unsere Probleme durch ihre Anwesenheit entstehen, ist lächerlich und falsch. Die echten Daten sagen uns, dass die Immigrant*innen in Italien mehr als 9% zum Bruttoinlandsprodukt beitragen und jedes Jahr circa 12 Milliarden an Beiträgen einbringen, was einen positiven Saldo für die Konten der Sozialversicherung bewirkt. Und so tragen sie zu Rentenzahlungen für alle bei. Lassen wir uns nicht von Hass und Propaganda blind machen, die Menschen sind eine Ressource und kein Problem.

Im Anschluss an die landesweite Initiative ‚Forum #indivisibili e solidali‘ (Forum Unteilbar und Solidarisch) und an die Carovane Migranti, die aktuell in Spanien und im August in Tunesien stattfinden, laden wir zur Teilnahme an der Demonstration am Samstag den 27. ein, die von verschiedenen Initiativen und Vereinen aus Agrigento organisiert und unterstützt wurde und das Ziel verfolgt, zum Aufbau eines euromediterranen solidarischen Netzwerks und Widerstands beizutragen. Um Leben zu retten ist folgendes notwendig: humanitäre Korridore von Nordafrika und dem Mittleren Osten und die Einrichtung eines allgemeinen Asylrechts und einer europäischen Aufenthaltsgenehmigung.

Wir fordern:

Freigabe der Schiffe der NGOs!

Rücknahme und Aufhebung der Sicherheitsverordnungen

 

Die sizilianische Geschichte hat uns beigebracht: Auswandern ist kein Verbrechen!

Initiator*innen:  Rete Antirazzista Catanese, Borderline Sicilia, Campagna LasciateCIEntrare, Comitato NoMuos/NoSigonella-Ct

Infos- Anmeldungen: [email protected]

 

Übersetzung aus dem Italienischen von Angela La Cognata

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